Ein Jahr nach dem Start ist PIER 4 auf gutem Kurs. Die ersten Erfahrungen des oberösterreichischen Start-up Inkubators tech2b, heimische Industrieunternehmen mit internationalen Start-ups zu vernetzen, sind erfreulich. Zusätzlich zu den neun Spitzenbetrieben, die seit Beginn an Bord sind, docken nun fünf weitere Flagschiffe der Industrie am PIER 4 an: Borealis, KTM, Leitz, Scheuch und Wacker Neuson. In einem Pressegespräch am 15. Oktober in Linz informierten die Projektbetreiber und -partner über ihre Erkenntnisse, Erfolge und Erwartungen.

Dass sich führende Unternehmen aus Oberösterreich zusammenfinden, um sich über Innovationen und Start-ups auszutauschen, passiert nicht oft. Noch bemerkenswerter ist die Tatsache, dass sie sich von Profis begleiten lassen, um Kontakte zur internationalen Start-up-Szene zu knüpfen. Das Vorhaben lautet: gemeinsam Pilot-Projekte, Ideen, Lösungen und Prototypen für die Industrie von übermorgen auszuloten. PIER 4 ist ein Multi Corporate Venturing, das der Start-up Inkubator tech2b im September 2017 startete. tech2b Geschäftsführer Markus Manz zieht eine erste Bilanz: „Unser Vorhaben, den ober-österreichischen Firmen einen Zugang zur weltweiten Start-up Szene zu ermöglichen, ist aufgegangen. Wir haben zahlreiche Jungunternehmen zu den definierten Suchfeldern in Israel, USA, Deutschland, Tschechien, Polen und vielen anderen Länder gefunden und die besten nach Linz gebracht.“ Die Basis für das ambitionierte Vorhaben bringen die Industrieunternehmen mit: Stabilität, wirtschaftlichen Erfolg und den unbedingten Willen zur Innovation. Seit einem Jahr sammeln neun Firmen erste Erfahrungen mit Start-ups. Mit der Borealis AG, KTM Innovation GmbH, Leitz GmbH & Co. KG, Scheuch GmbH und der Wacker Neuson Beteiligungs GmbH kommen erfolgreiche Industriebetriebe dazu, die dem Wegweiser Richtung Zukunft folgen.

Erste Erfahrungen mit Start-ups.
Ein Projektpartner der ersten Stunde ist die Energie AG. Stefan Stallinger, als Vorstands-mitglied zuständig für den Fachbereich Technik, schildert die bisherigen Erfahrungen mit PIER 4: „Schon vor dem Projektstart gab es in der Energie AG Überlegungen mit Start-ups zusammen zu arbeiten. Nun konnten wir unter Anleitung von tech2b – sozusagen in einem abgesicherten Modus – erste Erfahrungen sammeln. Wir haben viel über uns und über Start-ups gelernt und immerhin gibt es bereits zwei konkrete Projekte mit den Start-ups Omega Lambda Tech aus Garching und 7lytix aus Linz. Wenn ein Großunternehmen und ein Start-up zusammenarbeiten, treffen zwei Welten aufeinander, da kann man schon von einem kulturellen Gap sprechen. Umso wichtiger ist es, von Beginn an klar zu sagen, welche Erwartungen es gibt. Wichtig für den Erfolg ist, dass es klare Ansprechpartner für die Start-ups gibt, die sich auch intern darum kümmern können, dass das Projekt weitergetrieben wird.“

Fünf neue Industriebetriebe docken am PIER 4 an.
Neben der Energie AG waren die Amag, ELIN, Fabasoft, GE Healthcare Austria, Lenzig AG, Miba, Primetals Technologies und TGW Teilnehmer der ersten Stunde. In der zweiten Runde kommen nun mit Borealis AG, KTM Innovation GmbH, Leitz GmbH & Co. KG, Scheuch GmbH, Wacker Neuson Beteiligungs GmbH fünf neue Unternehmen dazu, die vom Know-how und den bisherigen Erfahrungen der tech2b-Experten profitieren. Manz: „Die Start-ups bringen eine unglaubliche Dynamik mit. Diese Qualität wollen wir künftig noch stärker und strukturiert begleitet in die Unternehmen bringen.“ Die Vernetzung von Start-ups mit Leitbetrieben ist ein Gewinn für alle Beteiligten: Start-ups bringen frische Ideen und Sichtweisen mit. Sie treffen in den etablierten Firmen auf verlässliche Strukturen und erfolgreiche Vertriebswege. Diese können sich glaubhaft als Innovationsführer profilieren, technologische und marktseitige Trends sehr früh erkennen und an ihrer Zukunft arbeiten.

PIER 4 fördert die Standortentwicklung.
Wirtschaftsreferent LH-Stv. Michael Strugl: „Mit PIER 4 holt unser High-Tech-Inkubator tech2b internationale Start-ups ins Boot, damit positioniert sich Oberösterreich für die industrielle Zukunft. Wir bündeln den Spirit und den Speed von Start-ups mit der Erfahrung und der Sicherheit unserer erfolgreichen Industrieunternehmen. Diese Kombination sorgt für Innovation und Weiterentwicklung des Standorts. Unser Bundesland hat hier mit seiner starken industriellen Basis einen klaren Startvorteil, damit ist Oberösterreich auf dem besten Weg, zu einem Start-up-Hotspot in Europa zu werden. Davon profitieren aber nicht nur unsere Betriebe, sondern unser Bundesland hat zudem die Chance sich auch als Standort mit Entwicklungspotenzial für junge internationale Unternehmen zu präsentieren.“

Internationaler Scouting-Partner für die Start-up Suche ist die Außenwirtschaft der Wirtschaftskammer Österreich. Finanzpartner ist die Raiffeisen Landesbank Oberösterreich und auch die Anwaltskanzlei Herbst Kinsky unterstützt die Initiative PIER 4.

Das sagen die neuen Industriepartner:
Walter Sieberer, Managing Director, KTM Innovation GmbH:
„Innovation ist ein kollaboratives Thema. Mit eigener Software-Kompetenz und einer Einheit für Technologie-Consulting stehen die Mitarbeiter der KTM Innovation GmbH entwickelnd und beratend zur Seite. Es ist uns wichtig, dass alle betroffenen Mitarbeiter eingebunden sind, und in uns eine Anlaufstelle und Unterstützung für ihre Vorhaben vorfinden und Themen vorschlagen können, die im normalen Unternehmensalltag keinen Platz finden. Wir versuchen das Potential unserer Mitarbeiter zu nutzen und miteinander an der Zukunft zu arbeiten.“

Günther Kamml, Geschäftsführer Leitz Österreich:
„Leitz ist ein Familien- und Traditionsbetrieb, bei dem die Innovation zur Tradition geworden ist. Die Digitalisierung hält viele neue Chancen, aber auch Herausforderungen bereit. Gerade diese Verbindung von Tradition mit Zukunft macht PIER 4 für unser Unternehmen so interessant. Wir freuen uns auf neue Begegnungen und Ideen!“

Martin Lehner, CEO Vorstandsvorsitzender Wacker Neuson Group:
„Die digitale Transformation und Entwicklung neuer Services und Geschäftsmodelle ist ein wesentlicher Baustein in der Strategie von Wacker Neuson. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit tech2b und PIER 4 und erschließen uns damit einen professionellen Zugang zum Start-up-Ökosystem.“

Stefan Scheuch, CEO Scheuch GmbH:
„Der Austausch mit Start-ups ist für uns ein wichtiger Baustein, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Für uns ist die Zusammenarbeit mit Start-ups Neuland und PIER 4, mit den Expertinnen und Experten von tech2b im Hintergrund, eine gute Chance, dieses Feld zu bearbeiten. Auch von der Vernetzung mit den Industriepartnern können wir profitieren, denn es gibt Themen, die uns alle betreffen: die Standort-Attraktivität, der Fachkräfte-Mangel, das Innovationsmanagement, die Digitalisierung … wir freuen uns auf einen offenen und fruchtvollen Austausch!“

Das sagen die Projektpartner:
Werner Pamminger, GF der oö. Standortagentur Business Upper Austria:
„Der Mix aus etablierten Leitbetrieben und innovativen KMU ist eine der großen Stärken des Standortes Oberösterreich. In den vergangenen Jahren kommen immer mehr spannende Start-ups hinzu. Wenn es gelingt, die Start-ups für eine gezielte Innovationstätigkeit der Leitbetriebe zu gewinnen, machen wir einen entscheidenden Schritt in Richtung mehr Wettbewerbsfähigkeit. Wir als Standortagentur etablieren durch PIER 4, neben der kooperativen Forschung mit den außeruniversitären Forschungseinrichtungen und der Innovation durch Kooperation in unseren Clustern, Start-ups als dritte Säule, um Innovation in die Unternehmen zu bringen.“

Heinrich Schaller, Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank OÖ AG:
„Start-ups brauchen starke Finanzpartner, die offen sind, schnell entscheiden und sich auch für Visionäres begeistern können. Speziell für Frühphaseninvestments hat die Raiffeisenlandesbank OÖ (RLB OÖ) die „Raiffeisen Innovation Investment GmbH“ geschaffen. Sie stellt Start-ups Eigenkapital und/oder eigenkapitalähnliche Mittel zur Verfügung. Auch das umfangreiche Netzwerk der RLB OÖ kann für junge Geschäftsideen ein Türöffner zu möglichen Kooperationspartnern sein.“

Patrick Sagmeister, stv. Leiter der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA:
„Neben unserer Kernaufgabe, österreichische Unternehmen weltweit zu unterstützen, haben wir uns auch zum Ziel gesetzt, Innovationen aus der ganzen Welt nach Österreich zu bringen. Für PIER 4 sind wir ein internationaler Scouting-Partner. Besonders bei Start-ups aus Deutschland und Tschechien, aber auch aus Israel, den USA und Großbritannien ist das Interesse an einer Kooperation mit starken österreichischen Industriepartnern groß.“

Mario Steinkellner, Herbst Kinsky Rechtsanwälte GmbH:
„Wir von Herbst Kinsky beraten seit über 10 Jahren Unternehmen im Start-up- und Hightech-Bereich. Nach mehr als 400 realisierten Projekten und über 150 betreuten Finanzierungsrunden sehen wir uns als Brückenbauer zwischen den Unternehmen und den Start-ups – was liegt also näher, als diese herausragende Initiative zu unterstützen.“